Auf der Suche nach einer ZDL-Stelle im Februar 2006 bin ich zufällig mit einem Gruppenleiter der Gaimersheimer Werkstätte ins Gespräch gekommen. Bis dato war mir die Lebenshilfe nur ein abstrakter Begriff. Mit dem Sektor „Behindertenarbeit“ bin ich auch noch nicht in Berührung gekommen. Also auch kein Feld, wo ich sagen konnte: „Ja, toll, gefällt mir, mache ich!“
Der Hospitationstag in der Leichtmontage Ingolstadt bestätigte meine ersten Gedanken: „Ob ich das neun Monate lang durchstehe?“ Ich bin sogar 12 Monate geblieben, weil es eine schöne, angenehme Zeit war, und am 07. September 2007, ein Jahr und drei Tage nach meinem ersten Arbeitstag, tat’s mir leid, schon gehen zu müssen.

Zwei Mitarbeiter der Gaimersheimer
Schlosserei
schneiden Schläuche für
Scheinwerferreinigungsanlagen zu,
Marco Schneider achtet auf
die korrekte Ausführung der Arbeiten |
Rückblickend kann ich auf das Umfeld in der Lebenshilfe, Kollegen wie Mitarbeiter, sagen: Ich bekam in dem Jahr einen Arbeitsplatz geboten, an dem es meist ohne große Spannungen oder Differenzen zugegangen ist. Wenn auch von manchen Auftragsfirmen hie und da Produktionsdruck kam: Es war auch meist ein entspanntes, angenehmes Arbeiten.
Im Gespräch mit Freunden und Bekannten hab ich zwei Seiten erleben müssen – und, ich darf so sagen, auch dürfen. Manch Reaktion bestätigte, dass Behindertenarbeit und der Mensch mit Behinderung selbst in vielen Gesellschaftsschichten noch immer als Tabu-Thema behandelt wird: „Du gibst dich mit so etwas ab… Pass auf, dass nichts hängen bleibt… Das muss ja schlimm sein mit denen den ganzen Tag beieinander zu sein…“ Dabei kann doch hier ein Vielfaches dessen, was man gibt, zurückkommen: Dankbarkeit, Herzlichkeit, um nur zwei Dinge zu nennen, von den Mitarbeitern, denen hier Hilfe und ein Arbeitsplatz geboten wird. Außerdem wird ihnen ja auch das Gefühl vermittelt, in der Gesellschaft einen angenommenen Platz zu haben.

Für Audi werden in einer Montagegruppe
Wasserkästenvorderwände montiert.
Marco Schneider geht dabei einem
Mitarbeiter zur Hand |
Für mein Studium, das ich jetzt aufnehmen werde- nach der Ableistung meines Zivildienstes und den anschließenden drei Monaten Praktikum- habe ich viel mitnehmen dürfen aus der Lebenshilfe. All denen, die mit Skepsis dem Thema „Menschen mit Behinderung“ entgegentreten, kann ich nur entgegenhalten, dass eben genau diese Menschen die Gesellschaft bereichern können.
Marco Schneider